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  • 23.09.2017 - Feuerwehren und Rettungsdienste proben Ernstfall auf der Elbe – hervorragende Zusammenarbeit aller Kräfte

27-28.7.2017 - Kreisfeuerwehrbereitschaft Lk. Harburg im Hochwassereinsatz im Lk. Hildesheim

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Am Donnerstagmittag gegen 13:15 Uhr erreichte die Zugführer der Fachzüge der Kreisfeuerwehrbereitschaft der Voralarm zu einem Hochwassereinsatz im Landkreis Hildesheim. Um 14 Uhr erfolgte die Alarmierung der Fachzüge die bis 15 Uhr die Abmarschbereitschaft in der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) in Hittfeld herstellen mussten.
Die Fachzüge Brandbekämpfung 1 bis 3, Wasserförderung, Führung & Kommunikation sowie Verpflegung rückten nach einer kurzen Einweisung durch Kreisbereitschaftsführer Stephan Schick in das Einsatzgebiet aus.
Über die A7 fuhren die knapp 30 Einsatzfahrzeuge in Richtung Landkreis Hildesheim. Kreisbrandmeister Volker Bellmann und sein Stellvertreter Torsten Lorenzen waren bereits zur Erkundung voraus gefahren und erwarteten die Einsatzkräfte in Bad Salzdetfurth.

Dort war nach den tagelangen Starkregenfällen ein aufgeweichter Damm der Lamme – ein Nebenarm der Innerste – gebrochen. Die Wassermassen ergossen sich in die Ortsteile Klein und Groß Düngen und suchten sich Ihren Weg entlang der Bahnstrecke Hildesheim – Goslar in Richtung Innerste. Wie Einwohner von Groß Düngen berichteten, stieg das Wasser in der Bahnhofsallee und den angrenzenden Straßen innerhalb von weniger als 30 Minuten rapide an. Bei einem Pegelstand von 7,14 Metern und somit fast fünf Meter über normal, stand das Wasser 60 Zentimeter hoch in den Wohnhäusern und Gewerbebetrieben. Sämtliche Keller liefen komplett voll. Es waren mehr als 120 Gebäude betroffen, darunter mehrere Gewerbebetriebe, eine Vermittlungsstelle der Telekom und auch die Feuerwehrtechnische Zentrale des Landkreises Hildesheim.
Nach einer kurzen Einweisung durch Kreisbrandmeister Bellmann, teilte Bereitschaftsführer Schick jedem Zug einen Straßenzug zu. Die dringlichste Aufgabe war es zunächst, die Keller von Gebäuden mit Ölheizung zu lenzen, um ein Aufschwimmen der Tanks zu verhindern. Mit den leistungsstarken Pumpen der Löschfahrzeuge und einigen tragbaren Pumpen konnte gegen 20 Uhr mit dem Leerpumpen der bis an die Decke vollgelaufenen Keller begonnen werden. Mit mehreren 200 Meter langen Schlauchleitungen wurde das Wasser über den Bahndamm in einen Graben gepumpt. Hoch motiviert gingen die knapp 140 Einsatzkräfte zu Werke und arbeiteten sich von Haus zu Haus weiter vor. Als problematisch erwies sich dabei, dass das Wasser durch Duschen, Toiletten, Abflüsse und selbst durch die Kellerwände wieder nachdrückte. Nach Abdichten dieser Zuläufe mit Sandsäcken übernahmen in den meisten Fällen die Bewohner mit durch Notstromaggregaten gespeisten eigenen Pumpen das weitere Trockenlegen der Kellerräume.
Ein Einsatzschwerpunkt lag an der Feuerwehrtechnischen Zentrale, die ebenfalls komplett unter Wasser stand. Hier gelang es während der Nacht, das Wasser abzupumpen, sodass auch hier Kräfte aus dem Landkreis Hildesheim am Folgetag mit Aufräumarbeiten beginnen konnten und die Infrastruktur der örtlichen Feuerwehren deutlich zu verbessern.
In der Nacht hatte jede Einsatzkraft die Gelegenheit, für vier Stunden in der nahegelegenen Sporthalle der Grundschule auf Feldbetten zu ruhen. Auf dem angrenzenden Schulhof hatte der Verpflegungszug die Feldküche aufgebaut und versorgte die Einsatzkräfte mit warmen Mahlzeiten sowie warmen und kalten Getränken. Besonders der heiße Kaffee fand in den Nachtstunden und am folgenden Morgen reißenden Absatz.
Gleich nebenan befand sich die Einsatzleitung, die durch den Fachzug Führung&Kommunikation aufgebaut worden war. Mit zwei Einsatzleitwagen und einem Besprechungsraum in einem Abrollbehälter wurde der Einsatz der Züge koordiniert und Verbindung mit der örtlichen Einsatzführung und der Heimat gehalten. Bei Lagebesprechungen mit den Zugführern wurden auftretende Probleme besprochen und Lösungen erarbeitet. Als schwierig erwies sich zum Beispiel die nächtliche Versorgung der Fahrzeuge und Pumpen mit Kraftstoff, da die örtlichen Tankstellen um Mitternacht schlossen und nicht in der Lage waren, einen Notbetrieb einzurichten.
In den frühen Morgenstunden war der Wasserpegel soweit gesunken, dass die Straßen bis auf einige größere Pfützen für die Einsatzfahrzeuge und Anwohner wieder frei befahrbar waren. Schon kurz nach Sonnenaufgang begannen die Anwohner mit Aufräumarbeiten. Von allen Seiten kamen Helfer mit Eimern und Schrubbern und unterstützten ihre Verwandten und Bekannten. Erste Schrottcontainer wurden angeliefert und durchweichtes Mobiliar entsorgt. Mit Saugwagen wurde ein Heizöl-/Wassergemisch aus zwei Kellern entsorgt, in denen die Öltanks bereits vor Eintreffen der Feuerwehr aufgeschwommen und leck geschlagen waren.
Die Feuerwehren pumpten weiter Keller und tiefer gelegene Garagen aus. Zudem wurde das Oberflächenwasser aus drei Senken abgepumpt, um den Wasserspiegel zu senken. Die Einwohner versorgten die Einsatzkräfte währenddessen mit Kaffee, Kuchen, Pizza und belegten Brötchen.
Am Vormittag konnten die ersten Schlauchleitungen über den Bahndamm zurück gebaut werden, da die Kanalisation wieder in der Lage war, das aus den Kellern abgepumpte Wasser aufzunehmen.
Für 14:30 Uhr war die Ablösung durch örtliche Kräfte vorgesehen, sodass die Einsatzstellen nach und nach zurückgebaut wurden und gegen 15:30 Uhr die Rückfahrt angetreten wurde. Bei der Abfahrt wurden die Feuerwehrleute durch die Bewohner mit Beifall und Dankesrufen verabschiedet. Gegen 20 Uhr waren die letzten Fahrzeuge zurück an ihren Gerätehäusern.
Bereitschaftsführer Stephan Schick bedankte sich bei den Einsatzkräften für die tolle Arbeit und die Bereitschaft, über 30 Stunden fern der Heimat anderen Bürgerinnen und Bürgern zu helfen. Man habe viel Anerkennung für die erbrachte Leistung und das große Engagement erhalten und den Landkreis Harburg würdig vertreten.
Auch Kreisbrandmeister Volker Bellmann bedankte sich bei allen eingesetzten Kräften für den anstrengenden Einsatz in Groß Düngen. Er sei sich sicher, dass die Bevölkerung den Einsatz dankbar in Erinnerung behalten werde.

 

Im Einsatz aus dem Landkreis Harburg

 

Brandbekämpfungszug 1: FF Hanstedt, FF Evendorf, FF Garstedt, FF Garlstorf

Brandbekämpfungszug 2: FF Tostedt, FF Welle, FF Handeloh, FF Wenzendorf, FF Wesel

Brandbekämpfungszug 3: FF Tespe, FF Bütlingen, FF Rönne, FF Avendorf, FF Oldershausen, FF Schwinde-Stove

Fachzug Wasserförderung: FF Hittfeld, FF Harmstorf, FF Eckel, FF Appel

Fachzug Führung und Kommunikation: FF Neu Wulmstorf, FF Hollenstedt, FF Lindhorst

Fachzug Verpflegung: FF Buchholz, FF Kakenstorf

 

Bericht: Mathias Wille, KPW-V Lk. Harburg
Bilder: FF Kakenstorf

Freiwillige Feuerwehr Kakenstorf

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